Bienen im Versuchslabor

Bienen im Versuchslabor

Am Institut für Bienenkunde in Oberursel erforschen Wissenschaftler das Gehirn der Bienen und ihr Sozialverhalten. Ihre Studien kommen dem Umwelt- und Naturschutz zugute: Denn ohne Bienen als Bestäuber gäbe es niemals eine solche Vielfalt an Pflanzen.

Ein sonores Brummen erfüllt den Garten des Instituts für Bienenkunde. Vor den Fluglöchern der Bienenkästen herrscht dichtes Gedränge. Tausende Sammelbienen steuern Wiesenblumen, Apfel- und Kirschblüten an und kehren mit Pollen, Nektar oder Wasser zurück. „Bienen können sich die Futterquelle merken und sie sogar kommunizieren“, sagt Professor Dr. Bernd Grünewald: „Infos zur Futterquelle geben sie per Schwänzeltanz weiter. Dabei vibrieren die Bienen mit dem Hinterteil und tanzen im Kreis. Das kann dann zum Beispiel bedeuten: Zwei Kilometer südwestlich blüht ein Kirschbaum.“

Der Neurobiologe und Bienenforscher leitet das Institut für Bienenkunde in Oberursel, das zur Weltspitze in der Bienenforschung zählt und von der Polytechnischen Gesellschaft und der Goethe-Universität betrieben wird. Auf dem mehr als 5000 Quadratmeter großen Institutsgelände am Südhang des Taunus erforschen knapp ein Dutzend Wissenschaftler und Studierende das Gehirn der Honigbiene und ihre erstaunliche Lernfähigkeit.

Zu ihnen zählt auch die Bioinformatik-Studentin Kira Trares. Sie analysiert, welchen Einfluss auf den Feldern gespritzte Pflanzenschutzmittel auf das Sozialverhalten der Bienen haben. Denn mit dem Nektar nehmen die Tiere oft auch Insektizide auf. Da es schwer ist, sie im Stock zu beobachten, hat die 21-Jährige im Institutsgarten ein knappes Dutzend Bienen gefangen und einzeln in Plastikröhrchen geschoben. Zurück im Labor setzt sie die Bienen jeweils zu zweit in eine Futterbox, einzig eine Plastikwand mit einem Schlitz trennt sie voneinander. Die Studentin will beobachten, wie sich die Bienen gegenseitig füttern – so wie am Eingang des Bienenstocks, wo die Sammlerinnen den in ihrem Magen gespeicherten Nektar an die Bienen im Stock weitergeben. Ein soziales Verhalten, das allen zugute kommt.

Statt Nektar spritzt Kira Trares der Futterspenderin Zuckerwasser ins Fach. Jede zweite Ration ist mit Insektiziden versetzt. Mit dem Versuch will die Studentin herausfinden, ob die Tiere ihr Futter wie üblich weitergeben oder die Pestizide sie egoistischer machen. „Uns interessiert, wie sich solche Substanzen auf das Gehirn der Bienen auswirken“, sagt Bernd Grünewald. Schließlich soll das soziale Gefüge im Bienenvolk nicht geschädigt werden und es im Garten des Instituts noch lange summen.

Weitere Infos unter www.institut-fuer-bienenkunde.de

Lesen Sie den gesamten Artikel über das Bieneninstitut für Bienenkunde in Oberursel im Kundenmagazin O-TON!.